Stadtteilzeitung Hildesheim West
Nr. 178 · November 2007

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Zwölf-­Apostel-­Festwoche

Mit Schwung durch 40 Jahre Gemeindegeschichte

(sbr) „Kirche lebt durch Bewegung”, behaupten die Spruchband-­Aufkleber auf den Treppenstufen im Zwölf-­Apostel-­Gemeindesaal. Auf der Bühne über der Treppe war vom 7. bis 14. Oktober vieles in Bewegung: Die Zwölf-­Apostel-­Gemeinde feierte den vierzigsten Geburtstag ihrer Kirche mit Musik, Modenschau, Revue, Büfett und Zeitzeugeninterviews.

Foto: Sabine Brand
Fröhlich und in familiärer Atmosphäre gestaltete die Zwölf-­Apostel-­Gemeinde – hier der Singkreis – ihre Festwoche

„Gitte und Rex Gildo” in Person von Anja Berger und Marvin Rottenau illustrierten die Zeitreise durch vier Jahrzehnte am Bunten Abend der Festwoche mit einem Schmuselied der sechziger Jahre: „Gehn sie aus im Stadtpark, die Laternen”. Jan Fleischer gab sein Bestes, um als Moderator die Stimmung der Geburtstagsgäste anzuheizen. Ein Stück Geborgenheit bedeutet die Gemeinde für die jungen Leute, die zum Teil im Zwölf-­Apostel-­Kindergarten groß wurden und nun verantwortliche Posten in der Gemeindearbeit übernehmen. Mit Schwung und Fantasie halten sie das kulturelle Leben am westlichen Stadtrand in Bewegung. Schon am Abend zuvor hatte ihre „Epochenrevue” die Besucher des Festballs begeistert.

„Zigeunerjunge, Zigeunerjunge” dramatisierte der Singkreis mit Pastorin Doris Escobar in Verkleidung und beschwor den Zeitgeist der Siebziger herauf. Und „Marmor, Stein und Eisen bricht” bot schon direkte Bezüge auf die aktuelle Geschichte der Zwölf-­Apostel-­Kirche und den zähen Kampf der kleinen jungen Gemeinde um ihre Erhaltung.

Foto: Sabine Brand
Mit Humor die schwierigen Anfangszeiten durchgestanden – Pastor Kunze erinnert sich

Mit dem Mikrofon in der Hand setzte Mechthild Sahrhage die Zeitreise durch das Interview eines Zeitzeugen fort. Dietrich Kunze, der erste Pastor der teuren, in der Bausubstanz heiklen und städtebaulich brillanten Kirche, erzählte aus den schwierigen Anfangsjahren der Gemeinde – ohne Geld für den Innenausbau des Gemeindezentrums, mit empfindlichen Lücken im Inventar. Die Zuhörer erfuhren „Wie die Kirche zu ihrem Kreuz kam – pünktlich zum Erntedankfest ’72” und „Wie ein Leuchter aus Stockholm ein bisschen spontan auf die Reise nach Hildesheim ging”. Hochdramatische Wechselspiele um die Kirche kündigten sich schon mit einem bisher als Geheimnis gehüteten Ereignis zwei Tage vor der Einweihung an: Die Zwölf-­Apostel-­Kapelle stand plötzlich in Flammen – weil ein Handwerker seine brennende Kippe auf den mit Nitro abgesäuerten Kirchenboden geworfen hatte. Der Schaden hielt sich in Grenzen, an den Schrecken erinnert Pastor Kunze sich heute noch lebhaft.

Auch Pastor Fred Gothe, zur 40-­Jahres-­Feier aus dem Hamburger Raum angereist, freute sich über das Wiedersehen und den Fortbestand seiner ehemaligen Kirchengemeinde nach wechselvollen Zeiten: „Pastorin Escobar ist es gelungen, den engagierten Kreis von Gemeindemitgliedern zu halten. Ich bin vor dreieinhalb Jahren von Zwölf-­Apostel weggegangen – und ich kenne fast alle, die heute Abend hier sind.

Der Wochenspruch am Tag der Einweihung der Zwölf-­Apostel-­Kirche hieß: „So jemand kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht” (2. Timotheus 2,5). Das klingt heute – nach 40 Jahren und nach einer fröhlichen, reichen Festwoche – wie ein Motto, dass die Gemeinde die ganze Zeit über begleitet hat.

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